Billig ist nicht alles

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Betriebswirt (Zertifikat)
2.0

Im Folgenden möchte ich meine Erfahrungen zum Fernstudiengang Betriebswirt an der FSH Saarbrücken zusammenfassen. Positiv an diesem Studiengang ist, dass er im Vergleich zu anderen Anbietern relativ günstig ist (125 Euro pro Monat) und nur 2 Jahre dauert.
Man bekommt das monatliche Lernmaterial als PDF-Datei per E-Mail oder ausgedruckt zugeschickt (auf Wunsch auch beides).
Unterlagen:
Die Unterlagen sind qualitativ nicht gut. Sie sind sehr veraltet. Teilweise gibt es noch Übungsaufgaben mit 16 % Mehrwertsteuer. Und das ist noch harmlos. Die Unterlagen strotzen vor Rechtschreib- und Tippfehlern. Die Formatierung ist unübersichtlich. Die Struktur geht teilweise bis zur 5 Ebene (also Punkt 2.3.6.2.1). Das Gehirn kann diese hierarchischen Zusammenhänge überhaupt nicht mehr erfassen. Die paar wenigen Grafiken und Schaubilder sind so schlecht formatiert, dass teilweise der Text in den Rechtecken, usw. abgeschnitten ist.
Zeichnungen wie z. B. ein Koordinatensystem mit eingezeichneter Budetgeraden und Indifferenzkurve erstrecken sich über zwei Seiten (d. h. wird auf der ersten Seite einfach mittendrin abgeschnitten und geht auf der zweiten Seite weiter).
Die Inhalte sind wahnsinnig alt, ich würde sogar behaupten teilweise noch aus den 90ern. Beispielsweise ist im Fach Datenverarbeiten (besonders veraltet) noch von irgendwelchen Magnetträgern die Rede, auf denen die Firmen die Gehaltsüberweisungen speichern, diesen Träger dann an eine Bank geben, und die Bank dann die Überweisungen ausführt. Das muss wohl schon ziemlich lange her sein…
Außerdem gibt es auch relativ viele Aufgaben, die in den Unterlagen einfach falsch gelöst sind (z. B. Rechenfehler). Da ist es natürlich besonders schwierig, den Lösungsweg nachzuvollziehen. Man hat ja nur die Unterlagen. Übrigens haben sich die anderen Prüflinge darüber auch beklagt, das ist also nicht nur mein Eindruck.
Korrekturen der Einsendeklausuren:
Wie bereits erwähnt kann man monatlich auf freiwilliger Basis eine Einsendeklausur einschicken. Diese wird dann korrigiert (meistens innerhalb von 4 – 6 Wochen) und wird dann per Post zurückgeschickt. Die Korrekturen sind unübersichtlich. Oft wird nicht ersichtlich, wie viele Punkte es auf eine Aufgabe gegeben hätte. Teilweise sind die Anmerkungen schwer leserlich. Es kommt auch vor, dass Aufgaben vollkommen unkorrigiert stehen gelassen werden, ohne Anmerkung, ohne Punkte. Man bekommt mit der Klausur einen kurzen Brief, auf dem das Ergebnis zusammengefasst wird und die richtigen Antworten (falls man Aufgaben falsch hatte) zusammenkopiert werden.
Ich hatte sogar mal den Fall, dass ich eine Klausur mit 100 Punkten (volle Punktzahl) abgeschlossen hatte, obwohl mir im Nachhinein aufgefallen ist, dass ich zwei Aufgaben gar nicht gelöst hatte. Ist dem Prüfer nicht aufgefallen.
Außerdem hatte ich mal eine ganz simple Rechnung (Berechnung des BIP) vollkommen falsch gelöst (ich denke, ich hab mich einfach auf dem Taschenrechner vertippt). Ich hatte als Lösung 9400. Das wurde als richtig mit einem Punkt bewertet. Später, nach nochmaligem Nachfragen, hatte sich herausgestellt, dass die Lösung bei weit über 300.000 liegen hätte müssen.
Internetauftritt:
Schaut euch mal die Homepage an, ich denke, vieles spricht da für sich selbst. Die Gestaltung ist ziemlich veraltet, es befindet sich ein Foto von der Uni Saarbrücken auf der Homepage. Die FSH hat aber nur ein kleines Büro (von außen vollkommen unscheinbar) und einen Prüfungsraum in der Feldmannstraße.
Prüfungen:
Die Prüfungen fanden an 4 Tagen (jeweils 4 Stunden) statt. Er werden immer ca. 5 Fächer zu einer Klausur zusammengefasst (z. B. Buchführung I & II, Kostenrechnung I & II, Produktionswirtschaft = Klausur II, oder Bilanzierung, Steuerrecht I & II, Investition und Finanzierung, Datenverarbeitung = Klausur IV). In diesen Klausuren kann man jeweils 100 Punkte erreichen, d. h. es kommt im Verhältnis also relativ wenig aus jedem Lernfach dran. Die Prüfungen orientieren sich teilweise an den Einsendeklausuren, deshalb ist es echt empfehlenswert, diese durchzuarbeiten. Allerdings bestand die Klausur I (Einführung allg. BWL, Recht I & II, Personalwesen, Organisation, Unternehmensführung) zu ca. 50 % aus Fragen, die überhaupt nicht in den Lernunterlagen zu finden sind. Trotzdem war die Klausur machbar, da ganz viele allgemeine Themen drankamen, zu denen jeder etwas sagen kann.
In der Prüfung darf man folgende Hilfsmittel verwenden: Taschenrechner, Gesetzestexte (für den Betriebswirt ist der Schönfelder ausreichend), und KLR-Plan für Buchführung.
Alles in allem würde ich die FSH nicht weiterempfehlen. Die Unterlagen sind veraltet, die Korrekturen mittelmäßig. Vieles muss man sich im Internet selbst beibringen, weil die Lernunterlagen dazu nicht ausreichen.
Allerdings muss man ja fairerweise sagen, dass der Kurs insgesamt günstiger als bei anderen Anbietern ist. Trotzdem hat mich das Preis-Leistungs-Verhältnis nicht überzeugt. Nach meiner Erfahrung würde ich beim nächsten Mal lieber etwas mehr Geld investieren, und dafür eine bessere Leistung erhalten, das hätte mir wahrscheinlich auch viel zusätzlichen Lernaufwand erspart.

  • Im Vergleich zu anderen Anbietern günstig und schnell (2 Jahre)
  • Schlechte Organisation, uralte Lernunterlagen
  • Studieninhalte
    2.0
  • Studienmaterial
    1.0
  • Betreuung
    2.0
  • Preis-/Leistung
    2.0
  • Flexibilität
    3.0
Anonym
Alter 26-30
Weiterempfehlung Nein
Abschluss Ja
Studienbeginn 2014
Geschrieben am 17.08.2017
Anonym
Alter 26-30
Karrierestufe mit Berufserfahrung
Weiterempfehlung Nein
Abschluss Ja
Studienbeginn 2014
Geschrieben am 17.08.2017

Aktuelle Bewertungen zum Studiengang

Lena , 31.01.2019 - Betriebswirt (Zertifikat)
Holger , 22.10.2018 - Betriebswirt (Zertifikat)
Michael , 05.09.2013 - Betriebswirt (Zertifikat)