Super flexible Fortbildungsmöglichkeit!
Ich kann den Studiengang Wirtschaftsrecht ganz klar empfehlen, allerdings sollte man sich im Vorfeld über einige Dinge klar sein:
1. Der Großteil des Lernprozesses erfolgt im Selbststudium mit Hilfe der Skripte und ggf. Zusatzliteratur. Die einzelnen Seminare waren durchgehend interessant und haben auch zu einer Vertiefung des Stoffes beigetragen, zur Vorbereitung auf die jeweiligen Modulprüfungen haben sie hingegen selten direkt beigetragen (was die Hochschule aber auf dem Campus in den FAQ auch kommuniziert). Wer also lieber auf interaktive Weise mit Vorlesungen lernt, wird hier keine Freude haben. Sehr positiv ist hervorzuheben, dass die Seminare inzwischen alle Online angeboten werden. Man muss sich nur bewusst sein, dass die Seminare bis auf wenige Ausnahmen alle an Werktagen zu den normalen Arbeitszeiten abgehalten werden, Abendtermin gab es bis auf eine Ausnahme grundsätzlich nicht.
2. Eine Vernetzung oder Interaktion mit anderen Studierenden fand in meinem Fall lediglich über das Auslandsseminar statt. Die durch die Euro FH gehosteten Foren liegen bis auf ein paar Ausnahmen ziemlich brach. Wer also in bzw. neben dem Studium auf ein umfangreiches soziales Netzwerk hofft, muss selbst aktiv werden und über die Community-Funktion andere Studierende kontaktieren, wobei hier (zu mindestens in meinem Fall) die Quote der Antworten bzw. Reaktionen sehr gering war.
3. Die Skripte waren für mich gut und verständlich aufbereitet. Allerdings wird m.E. definitiv ein gewisses Grundverständnis der jeweiligen Materie vorausgesetzt, wer also beruflich aus einer ganz anderen Richtung kommt und bisher noch keine Berührungspunkte mit juristischen oder betriebswirtschaftlichen Themen hatte, muss einen deutlich höheren Lernaufwand einplanen, um die Skripte überhaupt verstehen und das gelernte in der Prüfung anwenden zu können. Zudem ist der Studiengang m.E. darauf angelegt, eine solide Querschnittsqualifikation in möglichst vielen Gebieten anzubieten. Sofern man bei bestimmten Themen außerhalb der Wahlmodule tiefer einsteigen will, bleibt nur zusätzliche Fachliteratur bzw. ist dann ein Vollzeitstudium an einer Präsenzuni vielleicht der bessere Weg.
4. Zusätzlich werden über den Campus Flashcards (digitale Karteikarten), eine Lern-KI sowie diverse Schulungsvideos angeboten. Die Flashcards sind für einige Module im Grundstudium bereits vorhanden, alle anderen muss man sich selber zusammenstellen; ich habe das als zusätzliche Übung begriffen und habe via Handy-App so gut mal nebenbei Definitionen und Formeln beüben können. Die KI wird beständig entwickelt und kann u.a. neben der Zusammenfassung der Skripte auch gute Übungsaufgaben erstellen, allerdings ist sie erst kurz vor meinem Abschluss eingeführt worden, so dass sich der Nutzen für mich in Grenzen hielt. Die Schulungsvideos sind zwar ganz nett anzuschauen, mir haben sie jedoch keinen wirklichen Mehrwert gebracht, zudem ist der Umfang auf einige wenige Module begrenzt. Wirklich gut ist die digitale Bibliothek mit Zugriff auf Springer Link und Beck Online, die grade bei Hausarbeiten und der Thesis in meinem Fall (fast) alle Quellenbereiche vollständig abgedeckt hat.
5. Bezüglich der Prüfungen sollte man sich bewusst sein, dass man sich in der Erwachsenenbildung befindet. Ein stures Auswendiglernen der Skripte bietet keine Garantie, dass ausschließlich nur diese Themen in der Klausur behandelt werden, hier kann ein gewisses Grundwissen wie oben beschrieben manchmal erforderlich sein, um die Prüfungen erfolgreich absolvieren zu können. Insbesondere weil die Klausuren größtenteils Fallbasiert gestellt werden, folglich muss man auch in der Lage sein, dass gelernte auf den Sachverhalt zu übertragen und daraus eine Lösung zu erarbeiten. Ich habe sowohl in Präsenz als auch über Proctoring Online Klausuren geschrieben und kann die Onlinevariante aufgrund Flexibilität sowie der Tatsache, dass man mit Tastatur schreiben kann sowie der schnelleren Korrektur, eher empfehlen.
6. Das Auslandsseminar ist eine interessante Möglichkeit, sein Englisch aufzupolieren und mit anderen Kommilitonen in persönlichen Kontakt zu treten. Die ausländische Partnerschule war unheimlich bemüht und gut organisiert. Allerdings hatte das Curriculum nur äußerst entfernt etwas mit klassischem Recht zu tun, hauptsächlich ging es bei meinem Aufenthalt um Gründung und Startups, nicht unter juristischer Betrachtungsweise, sondern wie man z.B. einen Elevator-pitch vorbereitet und durchführt. Über die Rechtsordnung des Gastlandes haben wir leider überhaupt nichts erfahren. Die Euro-FH weist zwar auch mehrfach darauf hin, aber man muss sich beim Abwägen der Kosten bewusst sein, dass man An- und Abreise sowie Kost und Logis zusätzlich zu tragen hat, so dass zu den Studiengebühren (je nach Anspruch und Standort der Partnerhochschule) nicht unerhebliche, weitere Ausgaben auf einen zukommen.
7. Der Umfang der Expertisen/Korrekturen der Tutoren sowie Bewertungen für Übungsaufgaben und Prüfungsleistungen variieren, wie an Präsenzuniversitäten auch, sehr stark je nach Tutor wobei ich grundsätzlich das Gefühl hatte, dass die Korrekturen unabhängig von der Qualität des Feedbacks fair bewertet wurden. Bezüglich der Betreuersuche im Vorfeld der Thesis ist dies über den Prüfungsservice schnell und professionell abgewickelt worden. Sofern man Unterstützung bzw. Betreuung während der Thesis benötigt, muss man sich selber darum kümmern und von sich auf die Betreuer zugehen, eine Abstimmung oder proaktive Kommunikation von Seiten des Betreuers ist bei mir zumindest nicht erfolgt.
8. Der Workload ist definitiv nicht zu unterschätzen! Da ich mich mit dem lernen nicht so leichttue, wäre es mir ohne Unterstützung durch meinen Arbeitgeber und mein privates Umfeld nicht möglich gewesen, das Studium erfolgreich abzuschließen. Darüber sollte man sich bei all der Werbung für die Vereinbarkeit von Beruf und Studium bewusst sein, neben einem Vollzeitjob und privaten Verpflichtungen zusätzlich noch den entsprechenden Workload zu bewältigen, stellt hohe Anforderungen an die Organisation und erfordert eine große Portion Eigenverantwortung und Selbstdisziplin. Wer der Meinung ist, man wird schon irgendwie zum Abschluss getragen, weil man schließlich eine Summe X im Monat zahlt, wird eine unangenehme Überraschung erleben…
Wer diese Punkte beachtet und sie für sich als handelbar einstuft, dem eröffnet sich mit diesem Studiengang eine tolle Möglichkeit, seine juristischen und betriebswirtschaftlichen Kenntnisse zu schärfen und grade in Bezug auf (juristische) Problemlösung viel zu lernen, somit ganz klare Empfehlung!
Kommentar des Instituts
vielen Dank für dein ausführliches, reflektiertes und sehr hilfreiches Feedback. Es freut uns sehr, dass du den Studiengang weiterempfiehlst und insbesondere die Flexibilität, die digitalen Angebote sowie die fachliche Breite als Mehrwert erlebt hast.
Danke auch für deine Anregungen zu Seminarzeiten, Flashcards und dem Praxisbezug im Auslandssemester – diese nehmen wir gern mit. Deine Hinweise zu Workload und Selbstorganisation sind zudem sehr wertvoll für Studieninteressierte.
Zum Thema Vernetzung: Wie du schreibst, nutzen viele Studierende dafür u. a. Seminare oder die „Community“ im Online-Campus. Dort gibt es verschiedene studiengangübergreifende und studiengangspezifische Gruppen. Unser Mentoring-Netzwerk bietet zusätzliche Möglichkeiten zum Austausch. Weitere Informationen finden Studierende ebenfalls im Online-Campus unter „Community“.
Weiterhin viel Erfolg auf deinem Weg!
Dein Team der Euro-FH