Für ein erfolgreiches nebenberufliches Fernstudium ist ein gutes Zeitmanagement das A und O. Denn im Gegensatz zu einem Präsenzstudium in Vollzeit steht Ihnen in der Regel weniger Zeit zum Lernen zur Verfügung. Hier gilt es, sowohl berufliche als auch private Verpflichtungen wie Familie, Freunde und die Weiterbildung unter einen Hut zu bringen. Um die Lernzeit möglichst produktiv zu nutzen, bietet sich Ihnen eine simple aber effektive Methode an: die Pomodoro-Technik.

Pomo-...was?

Ihren ungewöhnlichen Namen verdankt die Lerntechnik ihrem italienischen Erfinder Francesco Cirillo. Um konzentrierter und fokussierter für sein Studium lernen zu können, unterteilte dieser in den 1980er Jahren seine Arbeitsphasen in kleinere Blöcke, die jeweils genau 25 Minuten lang waren. Warum 25 Minuten? Cirillo nutzte zur Zeitmessung eine Küchenuhr in Tomatenform, die sich bis auf die entsprechende Länge aufziehen ließ. Von eben dieser Uhr rührt der Name der Technik: “Pomodoro” bedeutet im Italienischen ‘Tomate’. Das Entscheidende dieser Methode ist nun nicht allein die Aufteilung der Arbeitszeit in kleine Einheiten. Vielmehr geht es um den regelmäßigen Wechsel zwischen Lern- und Erholungsphasen.

Die 6 Schritte der Pomodoro-Technik

1. Aufgabe auswählen

Im ersten Schritt bereiten Sie Ihre Pomodoro-Einheit vor. Sie wählen eine Aufgabe, die sich in 25 Minuten bearbeiten lässt, und notieren diese auf einem Zettel. Alternativ haben Sie auch die Möglichkeit, mehrere kleine, organisatorische Tätigkeiten wie E-Mails versenden oder Unterlagen drucken für einen Durchlauf zu sammeln. Größere Studienleistungen, zum Beispiel Hausarbeiten oder Klausurvorbereitungen, teilen Sie wiederum in kleinere Arbeitsschritte auf.

2. Timer auf 25 Minuten stellen

Nehmen Sie sich einen Wecker, Ihr Handy oder ein anderes Gerät zur Zeitmessung zur Hand und stellen Sie die entsprechende Minutenzahl ein. Sie können zum Üben auch eine kürzere Arbeitszeit von 10 oder 15 Minuten festlegen und sich nach und nach steigern. Wichtig ist nur, dass Sie alle Phasen der Technik gewissenhaft durchlaufen.

3. Bis zum Weckerklingeln fokussiert durcharbeiten

In der Lern- und Arbeitsphase ist es von zentraler Bedeutung, dass Sie Ablenkungen und Störungen jeglicher Art vermeiden. Diese entstehen häufig, wenn Sie zum Handy greifen oder etwas am PC nachschauen. Widerstehen Sie daher konsequent der Verlockung, etwas anderes als ihre Aufgabe zu bearbeiten. Sollten Ihnen während der Arbeit dringende berufliche oder private Erledigungen einfallen, dürfen Sie diese auf einem separaten Blatt notieren. So haben Sie die Gewissheit, diese nicht zu vergessen, und können sich wieder voll auf Ihr derzeitiges Thema konzentrieren.

4. Aufgabe abhaken / Arbeitsstand markieren

Nach Ablauf der ersten 25 Minuten haken Sie Ihren zuvor notierten Arbeitsauftrag auf dem Zettel ab oder markieren in Ihren Unterlagen Ihren bisherigen Lernfortschritt, um den Wiedereinstieg nach der Pause zu erleichtern.

5. Gönnen Sie sich eine Pause von 5 Minuten

In der fünfminütigen Pause sind Sie frei zu tun, wonach Ihnen der Sinn steht. Sie können einen kurzen Spaziergang machen, etwas essen und trinken oder private Angelegenheiten organisieren. Entscheidend ist aber, dass Sie in dieser Zeit keine mit Ihrem Fernstudium verbundenen Aufgaben erledigen, sondern wirklich davon abschalten. Danach fahren Sie mit dem nächsten Pomodoro-Block fort.

6. Nach 4 Pomodori-Blöcken eine lange Pause einlegen

Wenn Sie viermal 25 Minuten gelernt und dazwischen pausiert haben, gönnen Sie sich eine längere Auszeit von 20 bis 30 Minuten. Wenn Sie zu Beginn und Ende eines Pomodoros das jeweils vorher Erlernte noch einmal kurz rekapitulieren, lernen Sie noch effektiver.

Nutzen & Vorteile: Was bringt das Pomodoro-Lernen?

Sofern Sie die einzelnen Schritte der Pomodoro-Technik gewissenhaft befolgen, können Sie Ihr Zeitmanagement und Arbeitsverhalten auf Dauer deutlich verbessern. Im Fernstudium wirken große Aufgaben wie Klausurvorbereitungen, Haus- oder Abschlussarbeiten oftmals einschüchternd. Selbst ein umfangreiches Skript konzentriert zu lesen, kann Ihnen bei der Fülle an “verlockenden” Ablenkungen wie dem Smartphone, Facebook oder den eigenen E-Mails schwerfallen. Wenn Sie diese To-dos in Pomodori-Blöcke einteilen, lassen Sie sich schrittweise in kleineren Einheiten abarbeiten. So verhindern Sie, dass Sie umfangreiche und wichtige Prüfungsleistungen aus Sorge oder Angst aufschieben.

Außerdem helfen Ihnen die regelmäßigen Pausen dabei, über einen längeren Zeitraum fokussiert zu arbeiten. Sie verringern die Wahrscheinlichkeit, sich zu überarbeiten, zu erkranken oder auf lange Sicht gar ein Burnout zu erleiden. Die Pausen geben Ihrem Gehirn zudem kurze Erholungsphasen, in denen dieses die neu erlernten Informationen verarbeiten kann. Zugleich erscheinen die eng gefassten Arbeitsphasen sehr kostbar. Dadurch möchten Sie in dieser Zeit entsprechend viel erledigen.

Auf lange Sicht bekommen Sie ein gutes Gespür dafür, wie viel Zeit, das heißt Pomodori-Blöcke, Sie für bestimmte Studienarbeiten benötigen. Zukünftige Studienleistungen lassen sich auf diese Weise in einem realistischen Zeitplan managen. Wenn Sie darüber hinaus fertige To-do-Listen sammeln, haben Sie die Möglichkeit, sich mit einem positiven Gefühl über den erreichten Lernfortschritt und die abgeschlossenen Aufgaben zu informieren. Insgesamt verspricht Ihnen die Pomodoro-Technik, dass Sie Ihrem Leben eine bessere Balance aus Arbeit und Freizeit schenken. Denn umso produktiver und effektiver Sie Ihren Lernalltag gestalten, desto eher und ausgiebiger können Sie Ihre Freizeit mit einem ruhigen Gewissen genießen.

Welche Programme helfen bei der Pomodoro-Technik?

Neben der klassischen Küchenuhr finden sich im Netz noch viele weitere Programme und Apps, die die Zeitmessung für die Pomodoro-Technik übernehmen. Dazu gehören plattformunabhängige Web-Anwendungen wie TomatoTimer und Marinara Timer, mit denen Sie die Arbeitsphase und die beiden Pausen messen können.

Screenshot von TomatoTimer

TomatoTimer bietet Zeitmesser sowohl für die Arbeitsphase als auch die große und kleine Pause.

Falls Sie gerne Ihr Smartphone für das Pomodoro-Lernen nutzen wollen, so gibt es für iOS- und Android-betriebene Mobilgeräte ebenfalls Gratis-Apps mit kostenpflichtigen Zusatzfunktionen: Flat Tomato und ClearFocus.

Screenshot von Flat Tomato

Flat Tomato ist verfügbar für iPhone, iPad & Apple Watch.

Sollten Sie häufiger der Versuchung erliegen, sich am PC durch Surfen im Internet abzulenken, so können Sie mit der Chrome-Erweiterung Strict Workflow zusätzlich den Zugriff auf Webseiten Ihrer Wahl für die 25-minütige Arbeitsphase sperren. Nutzen Sie für Ihr Studium ein Projektmanagement-Tool wie Trello, unterstützt Sie die Chrome-App Pomello dabei, Ihre Trello-Karten direkt in Pomodori-Blöcken zu bearbeiten.

Screenshot von Pomello

Mit Pomello machen Sie Ihre Trello-Karten zu Pomodori-Aufgaben.

Mit der Pomodoro-Technik verbessern Sie Ihr Arbeitsverhalten, indem Sie über einen längeren Zeitraum konzentriert arbeiten und auch größere Studienleistungen effektiv bewältigen. Darüber hinaus hilft Ihnen diese Methode auch abseits Ihrer Weiterbildung bei beruflichen oder privaten Erledigungen.

Wenn Sie schließlich nach einem erfolgreichen Pomodoro-Lerntag vom Fernstudium abschalten möchten, dann finden Sie hier einige Anregungen für Freizeitaktivitäten.